Hi Philipp...
ich musste seinerzeit vor Jahren mal eine Klausur über den Hauke Haien Roman schreiben...Außer "da muss was Lebiges rein" (als Opfer in den Deich) und - "Eure Schuld - Deichgraf!" ist nicht sehr viel hängengeblieben.
Ich fand das auch so grausam damals, dass ich nicht einmal 40 Seiten geschafft hab. Ich habe den Klappentext (damals gab es noch kein Internet) der gebundenen Fassung gelesen und während der vierstündigen Deutschklausur dann angefangen, im Buch zu blättern...
Mit viel geblubber und gelaber hat es immerhin für eine 2+ gereicht. Nicht schlecht für eine Inhaltsbeschreibung und Interpretation zu einem Buch, welches man nicht gelesen hat.
Heute gibts doch so tolle Kurzreferate dazu im Internet. Den Schinken lesen.........muss man das heute immer noch?
Auch wenn ich durchaus humanistisch gebildet bin und sehr gerne (auch Klassiker) lese - Der Schreibstil von Theodor Storm ist für mich auch heute noch quälend und ich kann jeden verstehen, der das nicht gerne liest.
Hier Inhalt und eine Interpretation: (Schimmelreiter geschrieben 1886-1889)
Der ehrgeizige, tatkräftige Hauke Haien heiratet die Tochter des Deichgrafen und wird dessen Nachfolger. Er entwickelt den kühnen und genialen Plan, einen neuen Deich mit einem sanfteren Abfall zur Seeseite zu bauen, der besser vor Sturmfluten schützen und dem Meer viel Land abgewinnen soll. Dem Tatendrang Haukes steht die Trägheit der Dorfbewohner gegenüber. Deren Widerstand beruht auch auf Aberglaube, der noch genährt wird, als der Deichgraf einen verkommenen Schimmel kauft, der unter seinen Händen prächtig gedeiht, zu seinem Lieblingspferd wird, sich aber jedem anderen Reiter verweigert. Die Leute im Dorf dichten Hauke einen Teufelsbund an. Das Schicksal trifft ihn hart, als ihm nach langer Wartezeit auf ein Kind ein schwachsinniges Töchterchen geboren wird. Verschiedene unheimliche Vorzeichen deuten zudem auf ein Unglück voraus. Als in einem Oktober schwere Wetter toben, jagt der Deichgraf auf seinem Schimmel zum Deich hinaus. Um den alten Damm zu retten, müsste er den neuen durchstoßen, was er aber verweigert. Da bricht der alte Damm, und Hauke muss zusehen, wie seine Frau und sein Töchterchen, die sich in einem Wagen nähern, in den Fluten umkommen. Daraufhin stürzt er sich mit seinem Schimmel selbst in die Fluten und stirbt. Im Aberglauben der Deichbewohner aber lebt er weiter. Sie erzählen sich die Sage vom Schimmelreiter, der bei drohendem Unheil auf dem Deich zu sehen sei.
Die Novelle ist in drei Erzählebenen aufgebaut. Da ist zunächst ein Erzähler, der davon berichtet, wie er einst von einer Geschichte erfahren hat. Danach wird eine Rahmenerzählung konstituiert. In diesem Rahmen erzählt ein Reisender, wie er sich mit dem Pferd bei Sturm und Regen von einem Besuch bei Freunden auf den Heimweg macht. Bei dem Ritt auf dem Deich glaubt er die Geräusche eines weiteren Reiters zu hören, kann jedoch beim Zurückschauen niemanden entdecken. Plötzlich sieht er, wie ein Schatten an ihm vorbeizieht: Es ist der Schatten des Schimmelreiters, der sich mitsamt seinem Pferd in die Fluten der aufgebrachten Nordsee stürzt. Der Reisende sieht schließlich in der Ferne die Lichter einer Gastwirtschaft, kehrt dort ein und berichtet von seinem Erlebnis. Die anwesenden Gäste versetzen seine Worte in Unruhe und ein alter Schulmeister beginnt - als Binnenerzähler und in der dritten Ebene - die Geschichte des Hauke Haien zu erzählen. Die Binnenhandlung wird aber an bestimmten Stellen zur Steigerung der Spannung wieder durch den inneren Rahmen unterbrochen, der im Gegensatz zum Äußeren auch wieder abschließt.
Vorlage für die Persönlichkeit Hauke Haiens, der Hauptperson in Der Schimmelreiter, war in vielerlei Hinsicht Hans Momsen aus Fahretoft in Nordfriesland (1735–1811), der Landmann, Mechaniker, Mathematiker und Einzelgänger war. Er brachte es als Autodidakt zu erstaunlichen Leistungen. Er verstand es, Seeuhren, Teleskope und auch Orgeln herzustellen. Der Bezug auf die historische Person Momsen wird auch darin deutlich, dass Storm seinen Namen (Hans Mommsen geschrieben) in seiner Novelle erwähnt.
In Storms Novelle spiegeln sich auch die Ideen des in Nordfriesland tätigen Deichbaufinanziers Jean Henri Desmercières bezüglich neuer Deichprofile wider. Desmercières gilt als der Erbauer des Sophien-Magdalenen-Kooges und des Desmerciereskooges. Das Gehöft des Deichgrafs in der Novelle scheint identisch mit dem Hof des Deichgrafen Johann Iwersen-Schmidt (14. Juni 1798 – 1. März 1875) zu sein. Übereinstimmungen lassen sich auch an weiteren Personen und Dingen festmachen.
Quellen (u.a. auch Wikipedia)