chr8 sagte am 20.11.2010, 22:44:
Zitat
Nein, das stimmt so nicht. Oder was glaubst du, warum Verfassungsgerichte extremistische gewaltbereite Gruppierungen verbieten? Die Freiheit des Einzelnen reicht so weit, bis sie die eines anderen berührt. Und das tun die Taliban ja wohl mehr als eindeutig mit ihrer Weltanschauung.
lg
Izzuv
Sehr wage den Inhalt des Grundgesetzes in den ersten Artikeln anzuzweifeln.
Ganz und gar nicht. "Die Freiheit des Menschen hört dort auf, wo die des anderen anfängt". Meinungsfreiheit ist kein Freifahrtsschein. Wikipedia ist zwar nicht Brockhaus, aber es führt die Grenzen zu dem Thema recht gut auf:
Zitat
Allgemein verbreitete Einschränkungen der Meinungsäußerungsfreiheit sind (nicht abschließend):
- der Schutz der persönlichen Ehre gegen Beleidigung oder Verleumdung,
- die Weitergabe als geheim klassifizierter Informationen,
- die übermäßige Kritik an eigenen oder ausländischen höchsten Staatsvertretern wie Staatsoberhaupt, Gerichten oder manchmal selbst einfachen Beamten,
- die Grenzen der Sittlichkeit und des Jugendschutzes,
- die Grenze der öffentlichen Sicherheit (in den USA rechtshistorisch häufig angeführtes Verbot des missbräuchlichen Ausrufes „Feuer“ in einem Theater), besonders relevant in Zeiten des zunehmenden Terrorismus,
- der unlautere Wettbewerb durch Herabsetzung („Madigmachen“) der Ware oder Dienstleistung eines Konkurrenten.
Mal abgesehen von Punkt 3 stimm ich auch komplett zu.
Im Übrigen macht es wenig Sinn, sich dauernd aufs Grundgesetz zu beziehen, da es nicht mal der Staat für nötig hält, sich daran zu halten. I-wann wird auch mal der Zeitpunkt kommen, an dem die Leute merken, dass Verträge, Gesetze und Abkommen einen feuchten Dreck wert sind (und vllt auch noch, dass man Geld nicht essen kann..). Ein Gesetz ist eine kodifizierte "Norm", schwarze Buchstaben auf weißem Papier. Find ich toll. Damit hat man in Abnutzungskriegen immer etwas, womit man sich den Arsch abwischen kann. Ich möchte die meisten Gesetze hiermit nicht als falsch und absolut nicht richtig bezeichnen, das meiste steht zurecht in den Gesetzen, unterm Strich bringt es nur nix (mein persönlicher Liebling ist da ja noch die Genfer Konvention, die Angriffe auf Sanitäter und dazugehörige Anlagen verbietet. Fragt im finalen Rohstoffkrieg mal, ob das dann noch wen interessiert).
chr8 sagte am 20.11.2010, 17:51:
Betrachtet man das Thema Terrorgefahr in Deutschland muss man sich natürlich mit der Ursache beschäftigen. Warum wird Deutschland überhaupt Ziel? Weil unser Staat versucht Afghanistan unser westliches Weltbild aufzudrängen, weil wir es für richtig halten dies mit Hilfe von Soldaten zu tun. Wir versuchen Frieden zu schaffen indem wir die Taliban versuchen zu dezimieren, durch Waffengewalt.
Du könntest natürlich auch versuchen, mit ihnen zu verhandeln oder sie mit Gesetzestexten zu bewerfen. Ich will nichts vorwegnehmen, aber ich tät 1000€ auf den Taliban mit dem Gewehr setzen. Das ist leider eine Situation, aus der man ohne Waffengewalt nicht mehr herauskommt. Bei der Anzahl der Konflikte überall auf der Welt sind Ghandi und Mandela Paradiesvögel, auf deren Auftreten man besser nicht wetten sollte. Die Menschheit an sich hat seit ihrem Bestehen in eine Schraube reingedreht, wo sie ohne weiteres nicht mehr rauskommt - wir sind umgeben von globalen, modernen Paradoxen. Eins davon, welches in seiner Grundart aber schon viel länger existiert, ist, dass ein Krieg her muss, damit es Frieden geben kann.
Wir versuchen im Übrigen nicht direkt, denen unser Weltbild aufzudrängen. Das sind die Amis. Rahl hat ja die Geschichte Afghanistans schon kurz angeschnitten und die Pflicht der USA gegenüber diesem Land schon näher beleuchtet. Wir sind nur die, die wie blöde hinter herlaufen und brav das machen, was sie wollen.
Das Problem ist aber ein ganz anderes. Das mit dem "Weltbild aufdrängen" klingt sehr radikal und böse, ist aber bis zu einem gewissen Maß notwendig. Schließlich ist es die Aufgabe, da unten für Stabilität zu sorgen. Das klappt aber nur, wenn es für die Taliban unmöglich ist, wieder an die Macht zu kommen. Und dafür muss halt ein geeignetes System her (ist im Übrigen allgemein gemeint - ob das System, dass man in Afghanistan einführen will, ein gutes oder schlechtes ist, die Diskussion erspar ich diesem Thread mal).
Justen014 sagte am 20.11.2010, 18:09:
Die Absichten der Taliban sind die Frauen zu unterdrücken sowie der "Heilige Krieg". Das verletzt die Menschenwürde sowie die Relegionsfreiheit, die bei uns im GG sind.
"In Land X muss eingegriffen werden, weil dort Sachen an der Tagesordnung sind, die in Land Y verboten sind?" Das ist ein Argument, dass nie und nimmer auftreten
darf. Ansonsten sieht Deutschland gegen die Chinesen sehr alt aus.