Tiuri sagte am 29.11.2010, 23:48:
Übrigens. Nach der Ausschaffung gabs demonstrationen. Linksextrem ist aber nie etwas böses oder ?! Auf Facebook auf der Seite " Ich schäme mich für das Resultat der Ausschaffungs initiative " hat es Bilder mit Schweizerflaggen und Hackenkreuze drauf. Was hat diese Initiative bitte mit dem Nationalismus zu tun ? Und Kommentare wie " Demonstration war total geil

!! ". Linksextremisten kann man gleich auch ausschaffen. Die linken reden doch immer von Toleranz ? Mit demonstrationen machen sie aber das perfekte Eigentor indem sie es nicht tolerieren wie das Volk abgestimmt hat : )
Was diese Initiative mit Nationalismus zu tun hat? Ich weiss nicht, erklär du doch mir, wieso man AusländerInnen anders behandeln sollte als SchweizerInnen? Was hat die Kriminalität mit der Nationalität zu tun? Willst du etwa behaupten, das wäre genetisch bedingt? Hast du vielleicht einmal dein Hirn eingeschaltet und dich gefragt WESHALB ein Mensch "kriminell" wird? Ganz bestimmt nicht weil es ihm/ihr Spass macht.
Und Demonstrationen sind genauso legitime Meinungsäusserungen wie eine Abstimmung. Sie gehören zu einer Demokratie dazu, also finde dich damit ab.
Meister Rahl sagte am 29.11.2010, 23:51:
Wie du sagtest, Linksextreme. Die darf man nicht mit anderen Linken in einen Topf werfen sondern in den Topf von Extremen, also mit den Rechtsextremen zusammen. Die können alle zusammen nicht denken, sonst würden sie keine solchen (sozial-)politischen Haltungen vertreten.
Ach so. Ich kann also (ja, ich würde hier wahrscheinlich als Linksextrem bezeichnet) nicht denken, vielen Dank. Ich schätze Karl Marx, Rosa Luxemburg oder Michail Bakunin waren auch allesamt dumm, wie? Weil sie erkannt haben, dass unser derzeitiges System ein schlechter Witz ist? Ich möchte eine konkrete Kritik zu (m)einer politischen Einstellung haben, nicht zu der Ausrichtung an sich. Kritisieren kannst du einzelne Punkte, aber nicht die gesamte Einstellung. Übrigens würde ich es mir auch nicht anmassen, sämtliche Rechtsextremisten oder Demokraten, oder was auch immer, kollektiv als 'dumm' zu bezeichnen, nur weil sie nicht die selbe Kritik haben wie ich. Selbstverständlich bin ich überzeugt, dass die Meisten von ihnen eine völlig falsche Lösung den meisten 'Problemen' finden (zumal ich auch nicht dieselbe Kritik teile), aber bevor ich Menschen las 'dumm' bezeichne, und das tue ich äusserst selten, höre ich mir zumindest an, was sie zu sagen haben.
Ich möchte dir einmal ein anregendes Zitat geben, vielleicht kannst du etwas damit anfangen:
Zitat
Wenn wir unter ›Anarchie‹ einmal die landläufige negative Bedeutung verstehen wollen, nämlich Chaos, so haben wir sie heute: weltweit und flächendeckend. Ein System, in dem genug Nahrung produziert wird und wo dennoch täglich Zigtausende Menschen verhungern, ist ein Irrsinn. Ein System, das periodisch organisierte Massenmorde anordnet, ist unmenschlich. Ein System, das diesen Planeten zunehmend ausplündert und unbewohnbar macht, ist selbstmörderisch. Ein System, das zehn Prozent der Menschheit Reichtum beschert und die große Mehrheit der Ärmsten immer weiter ausplündert, ist niederträchtig. Ein System, das seine Bürger nur dadurch davon abhalten kann, sich gegenseitig umzubringen, indem es sie wiederum selbst mit dem Tod bedroht, ist eine moralische Bankrotterklärung.
Ich wage einmal zu behaupten, dass Marx mit seiner Kapitalimus-Kritik (die sehr häufig nicht verstanden oder ignoriert wird, wer liest denn heutzutage noch das Kapital?) oder Bakunin mit seiner Staatskritik (dito) zu den intelligentesten Personen, die je auf dieser Erde wandelten, gehörten. Aber das nur nebenbei.
Zurück zum Thema:
Ich habe 2x Nein gestimmt, ganz einfach weil ich die 'Kriminalisierung' der AusländerInnen satt habe. AusländerInnen sind nicht generell "krimineller" als SchweizerInnen, das zu behaupten ist schlichtweg (und auch nachweislich) falsch. Aber ich glaube, diese Gedanken habe ich in diesem Forum schon an einer anderen Stelle ausgeführt.
Ausserdem handelt der ganze Initiativtext klar von Ausweisungen und nicht von Ausschaffungen. Das ist ein wesentlicher Unterschied, bei der Ausweisung erhält die betroffene Person lediglich ein Brief nach Hause mit der Forderung, bitte das Land zu verlassen. Was aber verweigert werden kann. Und da EU-Recht über dem Landesrecht steht, können EU-Bürger wegen dem Personenfreizügigkeitsabkommen eh nicht ausgewiesen werden, und wenn sie ausgeschafft werden, können sie am nächsten Tag einfach wieder einreisen. Somit stellt sich mir die frage, wozu sich die Initianten eine solche Mühe machen? Denn Ausschaffungen und Ausweisungen werden bereits tagtäglich gemacht (nicht, dass ich das gutheissen würde). Ich bin zum Schluss gekommen, dass es sich hierbei um eine reine Diskriminierung (gleich wie bei der Minarettinitiative) handelt, und noch mehr Ängste und Fremdenhass schüren soll.
Zu guter Letzt frage ich mich, wer überhaupt ein Land beherrschen darf - sprich: wer darf/kann sagen, dass in diesem Land diese oder jene Gesetze herrschen? "Recht" ist immer ein sehr schwieriger Begriff - wer kann denn Recht und Unrecht definieren? Wieso sollten, ganz grundsätzlich, Menschen aufgrund ihrer Herkunft einem anderen Gesetz unterliegen? Die Initiative enthält mMn ganz klar rassistische Züge/Tendenzen. Und die SVP will ja ihren Kurs jetzt weiter verschärfen und diskutiert bereits über die nächste Intitiative zur "Ausländerfrage" (wie sie selbst sagten)...! Ich frage mich, ob sich die Geschichte nicht doch wiederholt.
Ach ja, noch eine kleine Anekdote am Rande:
Vor 100 Jahren hatte man Angst vor "Kantonsfremden" (welche auch nachweislich einiges krimineller waren als "Ortsgeborene") - und heute redet niemand mehr davon. Damals war es allerdings der Bundesrat, welcher eine ähnliche Initiative verhinderte.
Und lösen wird diese Initiative rein gar nichts. Die Rede ist von bis zu 1'500 Ausschaffungen pro Jahr - bei 300'000 jährlich begangenen Kriminalstraftaten.
Dieser Beitrag wurde von misch66 bearbeitet: 30. November 2010 - 23:41 Uhr