Izzuv sagte am 27.06.2010, 14:32:
misch66 sagte am 27.06.2010, 13:34:
Und wie zum Teufel kann man "Stolz" auf die eigene Nation sein? Man sollte den "Nationalstolzen" einmal den Begriff Stolz erklären.
Wie man Stolz auf die eigene Nation sein kann? Wir sind eine Gemeinschaft. Das, was du da schreibst ist - mit Verlaub - absoluter Schwachsinn.
Es wurden zwar willkürlich Grenzen gezogen, aber innerhalb dieser Grenzen gibt es eine eigene Sprache, eine Kultur, Freundschaften, Rivalitäten - Und wenn diese Gemeinschaft gemeinsam viel erreicht hat, kann man darauf stolz sein. Wenn Deutschland Exportweltmeister ist (war), dann hat indirekt jeder seinen Teil dazu beigetragen. Ergo > Nationalstolz. Und wer nichts dazu beigetragen hat kann sich nicht damit identifizieren - Ergo > Kein Nationalstolz.
In einem Punkt hast du ein Stück weit Recht: Nationalstolz bei Fußball ist eigentlich sinnlos, weil nicht die Nation kämpft sondern nur 11 Vertreter dieser Nation. Aber der Mensch braucht diese Illusion, die Illusion da dabei zu sein. Denn das Mitfiebern mit der eigenen Mannschaft eint einen - Zu einer Gemeinschaft. Im Prinzip nichts anderes als eine transzendentale Fußballnation.
Ich sehe das btw. nicht als Offtopic, prinzipiell ist eigentlich jedes hier diskutierte Spiel Offtopic, lest mal den ersten Post

.
lg
Izzuv
"Wir sind eine Gemeinschaft" - wie toll. Eine Harz4-Empfängerin soll also, nur weil sie der gleichen Nation angehört, eine Gemeinschaft mit einem Millionär bilden. Sie sind ja ach so gleich, da sie der selben Nation angehören.
Kultur und Sprachen sind oft grenzüberschreitend und haben sich u.A. auch erst DURCH die Grenzen entwickelt. Und nein, darauf stolz sein kann man nicht - es sei denn man hat einen
entscheidenden Beitrag dazu geleistet (zufälligerweise dort geboren werden und gezwungenermassen die Steuern einzuzahlen gilt nicht).
Ich zitiere einfach mal aus Wiki:
Zitat
Stolz [von mnd..: stolt = prächtig, stattlich] ist das Gefühl einer großen Zufriedenheit mit sich selbst, einer Hochachtung seiner selbst – sei es der eigenen Person, sei es in ihrem Zusammenhang mit einem hoch geachteten bzw. verehrten „Ganzen“.
Er entspringt der (subjektiven) Gewissheit, etwas Besonderes, Anerkennenswertes oder Zukunftsträchtiges geleistet zu haben oder daran mitzuwirken. Dabei kann der Maßstab, aus dem sich diese Gewissheit ableitet, sowohl innerhalb eines eigenen differenzierten Wertehorizonts herausgebildet als auch gesellschaftlich tradiert sein. Im ersten Fall fühlt man sich selbst bestätigt und in seiner Weltanschauung bestärkt („Ich bin stolz auf mich“), im anderen Fall sonnt man sich in der gesellschaftlichen Anerkennung („Ich bin stolz, etwas für meine Stadt geleistet zu haben“).
Ausserdem: eine Gemeinschaft, die auf einem MUSS basiert (Ich hab mir meine Nation nicht ausgewählt - niemand hat das. Und jetzt kommt mir nicht mit "du kannst ja auswandern, wenn du willst" - dieses 'Argument' ist schlichtweg doof und unhaltbar.) ist keine wirkliche Gemeinschaft. Was haben wir denn gemein? Die Sprache? Beispiel Schweiz: 4 "Landessprachen",was habe ich als Berner da noch mit einem Tessiner gemein? Ausserdem ist die Sprache kein wirklich gutes Argument, wenn man bedenkt dass Deutsch beispielsweise an mehr Orten gesporchen wird als nur in Deutschland. Die Sprachen sind innerhalb der Grenzen meistens gleich, weil die Schulen aufeinander abgestimmt wurden und somit eine 'Landessprache' vorherrscht - das ist aber änderbar. Die Kultur? Die vermischt sich sowieso immer mehr und mehr. Ausserdem ist die Kultur nicht wirklich an Grenzen gebunden. Sie variert innerhalb dieser Grenzen und kann aber auch grenzüberschreitend vorhanden sein.
Ich bleibe dabei: Ein nationenbezogener Wettkampf schürt Hass unter Völkern, die alle der selben Rasse angehören - der des Menschen. Nationen/Grenzen sind imho gefährlich und basieren auf reiner Willkür und auf Zufall. Wer nimmt sich beispielsweise das Recht heraus zu sagen, dass in diesem oder jenem Gebiet diese oder jene Gesetze herrschen? Ich beispielsweise bin mit der Politik meines Staates alles andere als einverstanden. Kann ich dieser entgehen? Nöö. Wieso? Weil der Staat überall ist. Und darauf soll ich stolz sein? Soll ich etwa darauf stolz sein, dass die Schweiz Kriegsmaterielien im Wert von über 700 Millionen CHF in andere Länder, darunter auch Krisengebiete, exportiert hat? Denn auch davon bin ich teil und laut deiner Aussage wäre das ja ein Grund stolz zu sein (die Schweiz ist Exportmeister in Sachen Kleinkaliber, juhui!). Stolz ist im Bezug auf Nationen schlichtweg das falsche Wort. Mann kann
froh sein, dass man in einer Industrienation und nicht in einem Entwicklungsland geboren wurde - aber darauf stolz sein?
Wie auch immer, ist nur meine Meinung, wenn du sie als "absoluter Schwachsinn" bezeichnest kann mir das eigentlich egal sein. Mehr als die Sprache haben wir zum Glück ja nicht gemein.
Ein Zitat zum Schluss:
Zitat
Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.
[Arthur Schopenhauer]
lg
Dieser Beitrag wurde von misch66 bearbeitet: 28. Juni 2010 - 04:02 Uhr